• RA'in Pfeffer

Darf meine Kosmetikerin mir Filler / Botox spritzen?

FRAGE: Darf meine Kosmetikerin mir Hyaluronsäure oder Botox injizieren?


ANTWORT: Nein, eine Kosmetikerin darf weder Hyaluronsäure, Botox noch andere Filler mittels einer Spritze in die Haut injizieren.


Wie das Oberlandesgericht Karlsruhe bereits mit Urteil vom 17.02.2012 (Az. 4 U 197/11) feststellte, unterliegt die Behandlung mit Hyaluronsäure dem ärztlichen Vorbehalt.

Bei der Injektion von Hyaluronsäure, Botox und weiteren Fillern handelt es sich nämlich um Heileingriffe mit ärztlichem Privileg.


FRAGE: Welche anderen Behandlungsmethoden darf die Kosmetikerin, welche nur ein Dermatologe durchführen?


ANTWORT: Die Kosmetikerin darf alle Maßnahmen der Schönheitspflege, wozu auch die apparativen Maßnahmen zählen, durchführen. Sie darf also alle kosmetischen Eingriffe ausführen, die keine medizinischen Fachkenntnisse voraussetzen. So darf die Kosmetikerin zum Beispiel eine Abschleifung der Haut mittels Mikrodermabrasion durchführen. Die Dermabrasion hingegen, ein invasives Verfahren, bei dem die Haut bis in die tieferen Schichten abgeschliffen wird, wird unter Narkose durchgeführt und darf nur von fachlich qualifizierten Ärzten vorgenommen werden.


Zusammenfassend lässt sich also festhalten: wichtigstes Merkmal einer kosmetischen Behandlung ist, dass die Kosmetikerin sich nicht-invasiver, lediglich die Hautoberfläche betreffender Behandlungsmethoden bedient.


FRAGE: Welche apparativen Behandlungen darf die Kosmetikerin überhaupt in ihrem Institut durchführen?


ANTWORT: Die Kosmetikerin darf sich verschiedenster apparativer Behandlungsmethoden bedienen. Apparative Anwendungen sind seit jeher Bestandteil der kosmetischen Ausbildung. § 4 Abs.1 Nr. 5 der Verordnung über die Berufsausbildung zur Kosmetikerin/zum Kosmetiker sieht ausdrücklich das Bedienen von Apparaten und Instrumenten vor. Aufgrund der ständigen Innovationen im schnell wachsenden Sektor der Kosmetik lässt sich nur schwer eine abschließende Aufzählung der rechtlich unkritischen Behandlungsmethoden durchführen.


Die Kosmetikerin darf z.B. mittels eins IPL-Gerätes (=Intense Pulsed Light) dauerhafte Haarentfernung durchführen. Bei diesem Verfahren werden Körperhaare durch Lichtenergie dauerhaft entfernt, indem der Haarfollikel abgetötet wird.


Mit der Diamantdermabrasion kann die Kosmetikerin die oberste Hautschicht leicht abschleifen. Die abgeschilferten Hautschüppchen werden im gleichen Arbeitsgang abgesaugt. Die Regeneration der Haut wird angeregt und das Hautbild verfeinert.


Beim Einsatz des Dermarollers oder Dermapens (Dermaneedling) wird die Haut stimuliert. Mittels feinster Nadeln, die senkrecht in die Haut eingestochen werden, werden Mikroverletzungen verursacht. Dadurch kann die Kosmetikerin die Selbstheilungskräfte der Haut anregen. Erst ab einer bestimmten Nadellänge ist das Verfahren dem Arzt vorbehalten.


Lasertechnik wird im Kosmetikinstitut hauptsächlich zur Tattooentfernung eingesetzt. Durch den Einsatz von Lasertechnik können Farbpigmente von Tattoos durch die Energie des Laserlichts so zerkleinert werden, dass diese von körpereigenen Fresszellen abgebaut werden können. Hier ist allerdings zu beachten, dass voraussichtlich im Jahr 2021 eine neue "Strahlenschutzverordnung" in Kraft treten wird. Durch die neue NiSV sollen nur noch Mediziner in der Lage sein, einige eher in das Gebiet der Kosmetikerin fallende Behandlungen durchzuführen. Hiervon werden aller Voraussicht nach auch Tattooentfernungen mittels Laser betroffen sein.


Die Kosmetikerin darf ebenso Behandlungen mit Ultraschall anbieten. Dieser erzeugt eine Vibrationswirkung und entfaltet überdies eine thermische Wirkung. Dies hilft beim Einschleusen von Wirkstoffen in die Haut, wodurch das Hautbild verbessert wird.


Auch Mesoporation ist eine gängige apparative Behandlungsmethode, deren Durchführung nicht durch den Arzt erfolgen muss. Bei der Mesoporation werden durch einen elektrischen Impuls auf der Haut kurzzeitig Feuchtigkeitskanäle in der Haut geöffnet und hochmolekulare Wirkstoffe können tief in die Haut eindringen.


Ebenfalls in das rechtlich zulässige Leistungsspektrum der Kosmetikerin fallen die Peeling-Anwendungen Hydra Facial und Jet peel. Diese können nicht nur zur Bekämpfung von Hautunreinheiten, sondern überdies zur Hautbildverbesserung eingesetzt werden. Hierbei wird mit Wasserdruck bzw. Luft-Wasser-Druck die oberste Hautschicht abgetragen und zeitgleich Wirkstoffe eingeschleust. Es handelt sich wie bei allen der Kosmetikerin rechtlich gestatteten Anwendungen um ein nicht-invasives oberflächliches Verfahren.


Eine weitere apparative Behandlungsmethode, die die Kosmetikerin anbieten darf, ist die Radiofrequenz. Hierbei werden durch Radiofrequenzen Wassermoleküle in den Hautschichten des Anwendungsgebietes in Schwingung versetzt und einer Temperatur von kurzzeitig über 60 Grad ausgesetzt. Das führt zu einem "Kollagen-Schrumpfen". Dadurch wird die Haut angeregt, neues Kollagen zu bilden.


Im Kosmetikinstitut darf die Kosmetikerin sich auch des Einsatzes von HiFU bedienen.

HIFU ist ein hochintensiver fokussierter Ultraschall, welcher durch gezielte Bündelung von Schallwellen Gewebe erhitzt und zerstört. Dadurch wird die Regeneration der Haut angeregt und es entsteht ein Lifting-Effekt.


Auch für die aufstrebende Behandlungsmethode mit Cold Plasma (kaltes Plasma) wird bisher angenommen, dass die Kosmetikerin sie einsetzen darf - es sei aber darauf hingewiesen, dass die Kosmetikerin sich hiermit in einer rechtlichen Grauzone bewegt. Wie die Rechtslage sich entwickeln wird, bleibt spannend. Kaltes Plasma wurde bisher hauptsächlich in der ärztlichen Heilkunde, hier insbesondere im Bereich HNO eingesetzt.


Sämtliche Verfahren, die invasiv sind, dürfen durch die Kosmetikerin nicht ausgeführt werden. Apparative Kosmetik sollte niemals die Behandlung durch einen Arzt ersetzen!


Dieser Blogbeitrag erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt keine individuelle rechtliche Beratung.







485 Ansichten2 Kommentare

©2019 by Rechtsanwältin Pfeffer

Rechtsanwältin Maike Pia Pfeffer

Wilhelm-Strauß-Straße 66
41236 Mönchengladbach

Tel  ​: 0 21 66 - 99 88 08 0
Fax : 0 21 66 - 99 88 08 1

E-Mail: info@kanzleipfeffer.de